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JBH - Chance für eine Zukunft

Jugendberufshilfe - Düsseldorf

06. September 2013
Start des ersten Modellprojekts zur Berufsausbildung unbegleiteter junger Flüchtlinge

Start des ersten Modellprojekts zur Berufsausbildung unbegleiteter junger Flüchtlinge

Am 05.09.2013 fand im Ausbildungszentrum Gastronomie der Jugendberufshilfe Düsseldorf die Auftaktveranstaltung eines innovativen Modellprojekts zur beruflichen und sozialen Integration unbegleiteter junger Flüchtlinge statt. Zehn junge Männer im Alter von 17-23 Jahren aus unterschiedlichen Krisenregionen der Welt konnten aus den Händen des Geschäftsführers Peter Walbröl ihre Ausbildungsverträge entgegennehmen.

Diese bis dato einmalige Ausbildungsoption ist ein Gemeinschaftsprojekt der Jugendberufshilfe Düsseldorf, dem Franz-Jürgens-Berufskolleg und der Albrecht-Dürer-Schule in Zusammenarbeit mit der Kommunalstelle für Integration und Bildung. Gefördert wird dieses zweijährige Ausbildungsprojekt durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW sowie durch die Landeshauptstadt Düsseldorf.

(Auszubildende mit den Projektakteuren)

Projektphilosophie

Sie fliehen aus ihrem Heimatland vor Krieg, bewaffneten Konflikten, Diskriminierung und Verfolgung oder versuchen einfach nur existenzieller Armut zu entkommen und leiden in besonderem Maße unter den Erfahrungen von Gewalt und dem Verlust von familiären Bindungen.

Alleine in Deutschland angekommen, kann sich ein Anerkennungsverfahren über Jahre hinziehen, in denen die jungen Menschen meist ohne die Möglichkeit, eine Arbeit aufzunehmen oder sich ausbilden zu lassen, ihr Dasein in unfreiwilliger Untätigkeit fristen.

Die Entwicklung einer Lebensperspektive jenseits der Angst vor drohender Abschiebung ist deshalb zentrales Ziel.

Da eine duale Ausbildung im klassischen Sinne wegen der aufenthaltsrechtlichen Problemlage für die jungen Flüchtlinge derzeit nicht möglich ist, wird das Projekt als zweijährige Vollzeitschulmaßnahme durchgeführt und an zwei Lernorten organisiert. Die fachtheoretische und sprachliche Förderung übernehmen für den Ausbildungsberuf der Fachkraft im Gastgewerbe das Albrecht-Dürer-Berufskolleg und für die Fachkraft für Metalltechnik das Franz-Jürgens-Berufskolleg. Die fachpraktische Ausbildung und die sozialpädagogische Betreuung erfolgt durch die Jugendberufshilfe Düsseldorf.

Ausbildungsberufe

Die zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik und die zweijährige Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe besitzen sowohl in Deutschland als auch in den jeweiligen Herkunftsländern eine hohe Arbeitsmarktrelevanz.

Angestrebt wird für beide Ausbildungsgänge generell der Berufsabschluss im jeweiligen Ausbildungsberuf.

Ist eine Rückführung vor Abschluss der Berufsausbildung in das Herkunftsland unumgäng­lich, endet die Berufsausbildung mit einer Teilqualifizierung in Form anerkannter Ausbil­dungs­bausteine oder Teilqualifizierungen.

Ihre bisherige Lehrerin am Albrecht-Dürer-Berufskolleg, Frau Gabriele Trappmann, entließ die Jugendlichen mit den Worten: "In Deutschland sagt man "mit einem lachenden und einem weinenden Auge". Das heißt, ich verabschiede Sie mit einem weinenden Auge, weil ich es einfach toll fand mit Ihnen arbeiten zu können, denn Sie waren sehr motiviert, sehr wissbegierig und engagiert. Es hat mir sehr  viel Freude bereitet mit Ihnen zu  arbeiten.  Mit einem lachenden Auge verabschiede ich Sie, weil Sie jetzt eine Ausbildung  beginnen können und damit eine tolle Chance erhalten weiter erfolgreich zu sein. Das freut mich sehr. Ich wünsche Ihnen alles Gute!"

Soziale Integration

Damit der Weg der gesellschaftlichen Integration erfolgreich beschritten werden kann, werden die Projektteilnehmenden nicht separiert, sondern in die bestehenden Ausbildungsklassen der jeweiligen Berufskollegs integriert. Eine Kooperation mit einer Jugendfreizeit­einrichtung, Kulturangebote und auf Wunsch beitragsfreie Mitgliedschaft in einem Sport- und Fußballverein sollen zudem die soziale Integration fördern.

(Die Auszubildenden im Gespräch mit Peter Walbröl)

Beim anschließenden ersten informellen Austausch von Ausbildern, Lehrern, Projektverantwortlichen und Auszubildenden im Garten des Ausbildungsrestaurants wurde zweierlei deutlich: Ein hohes Maß an Idealismus und Herzblut auf Seiten der Projektakteure sowie eine ungewöhnlich ausgeprägte Motivation und spürbare Freude, ihre Zukunft endlich aktiv gestalten zu können, auf Seiten der Auszubildenden.

Die Grundbedürfnisse dieser Jugendlichen reduzieren sich auf Sicherheit, Akzeptanz bzw. Integration und Lebensperspektiven, also das, was für gleichaltrige junge Menschen eigentlich selbstverständlich ist. Die guten Startbedingungen geben berechtigten Anlass zu der Hoffnung, dass diese Normalität auch für die jungen Flüchtlinge möglichst bald erlebte Realität wird.