21. März 2014
JobAct®-Premiere: Ilias & Odyssee

Nachdem die Teilnehmenden von JobAct® bereits in der Vergangenheit mit „Faust“ und dem „Sommernachtstraum“ keinerlei Berührungsängste gegenüber der literarischen Hochkultur zeigten, ging es bei der diesjährigen JobAct®-Produktion von Homers „Ilias“ und der „Odyssee“ back to the roots abendländischer Literatur.

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Während andernorts ein Kinderbuch cineastisch auf 9 Stunden gestreckt wird, hatten sich die jungen JobAct®-Akteure das ambitionierte Ziel gesetzt,  die beiden homerischen Großepen in 75 Minuten auf die Bühne zu bringen.

Kann so etwas gut gehen? Ist nicht bereits „ein normaler Theatersaal zu klein, um die ‚erste Geschichte Europas’ zu erzählen“?

Dass die Antwort auf die erste Frage „Ja“ und auf die zweite Frage „Nein“ lauten kann, bewies das Ensemble bei der Premiere am 13.03.2014 in der Freizeitstätte Icklack.

Man nehme ...

Setting:

Einen Sandkasten, innerhalb dessen das Geschehen visuell verdichtet wird und der den Zuschauern quasi einen olympischen Blick auf die Geschehnisse ermöglicht ...

Ensemble:

Zwei hochpräsente  Akteure, die wechselweise die unterschiedlichsten Rollen mit Leben füllen und als Antagonisten gerade durch eine Slow-Motion-Choreogaphie für permanente Spannung sorgen ...

Einen antiken Chor, der mit stupender Textsicherheit und Synchronizität den Zuschauer auf der Höhe der Ereignisse hält, bei Bedarf aber auch immer wieder aus seiner distanziert narrativen Rolle fällt ...

Einen virtuosen Multiinstrumentalisten, der unterstützt von einem Begleitmusiker das Tempo vorgibt und die Geschehnisse atmosphärisch dicht untermalt ...

Eine stimmgewaltige und wandlungsfähige Solistin ...

Zwei apathische Figuren, die den Zuschauer durch ihr Outfit und ihre Passivität während der ganzen Vorstellung verunsichern ...

Dramaturgie und Requisiten:

Unerwartete Brüche, etwa der unvermittelte Einschub eines grenzwertigen Witzes, eine homerische Zigarettenpause oder die Ausgabe von Äpfeln an das Publikum ...

Und dass die homerischen Epen der Steinbruch sind, an dem sich auch heute noch alle literarischen und cineastischen Mythen bedienen, lässt sich dramaturgisch auch auf den Kopf stellen: So begegnen wir  Ken & Barbie in Titanic-Pose, einem Stoff-Zyklopen im Pacman-Format, Teiresias als Darth Vader, Odysseus und Telemach mit Lucha Libre-Masken und für das Blutbad unter den Freiern wird der Bogen durch das Laserschwert ersetzt ...

Trotz dieser postbrecht’schen Verfremdungseffekte, die zwischenzeitlich auch schon mal für homerisches Gelächter sorgten,  lief die Aufführung zu keiner Zeit Gefahr, in Comedy und Slapstick zu versanden. Intelligente Dramaturgie und permanente Präsenz von allen Akteuren sorgten dafür, dass Niveau und Spannungsbogen über die volle Spielzeit gehalten werden konnten. Prototypisch die Schlussszene, in der sich Odysseus nach 20 Jahren seiner Frau zu erkennen gibt: „Penelope“ ........... quälend lange Pause ............   Sie, ohne ihm den Blick zuzuwenden: „Odysseus“.

Standing Ovations seitens des Publikums für eine ungewöhnliche und rundum gelungene Vorstellung. Dank an Ensemble, Regisseur Tim Stegemann und die JobAct®-Akteure der Projektfabrik hinter den Kulissen.

Auch wenn die Theateraufführung kein Selbstzweck ist und für die jungen Erwachsenen mit Blick auf ihre beruflichen Perspektiven buchstäblich die Devise „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ gilt: Nach einer so überzeugenden Einzel- und Mannschaftsleistung dürften die Teilnehmenden – gecoacht durch Linda Behr von der JBH – dem Ende ihrer je persönlichen Odyssee auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt optimistisch entgegensehen.

 

Weitere Informationen zur inhaltlichen Konzeption von JobAct® und zur aktuellen Produktion finden Sie unter Pressemitteilungen bzw. Medienresonanz..