06. Mai 2016
Die Räuber - Jobact 2016

JobAct 2015/2016  Premiere 10.03.2016

„Die Räuber“ von Schiller

„Ungeheuer, Ungeheuer!“


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Diese Worte beschreiben nicht nur die hohe Qualität der Inszenierung, sondern auch stellvertretend für alle Darsteller, zitiert die Überschrift die Darbietung des zombiehaften Vaters.

Doch von vorne: Kaum im Saal der Freizeiteinrichtung Icklack in Flingern angekommen, war man schon mittendrin, statt nur dabei:

Ein langer Teppich lag in der Mitte des Raumes, vom Eingang bis zu Bühne. In der Mitte des Spielraums stand ein tiefschwarzer Baumstamm, auf dem – Unheil vorhersagend – eine Pistole lag. Ein riesiger Ast, den man, wenn man in der ersten Reihe die Beine übereinander schlug, schon fast berührte, hing direkt darüber, von der Hallendecke hinunter. Dadurch, dass die Bestuhlung zur Mitte des Raumes ausgerichtet war, hatte man unmittelbar das Gefühl schon mitten im Geschehen zu sein.

Auf der Bühne standen beim Einlass bereits Darsteller in Position, sodass am Sitzplatz angekommen, sich niemand traute zu tuscheln. Die Aufmerksamkeit war auf die Bühne gerichtet. Nach einer kurzen Eröffnung der Bereichsleitung Birgit Axler-Cohnitz begann der erste Akt: Der alte Maximilian von Moor, von einer Darstellerin mit so viel Hingabe gespielt, dass sie am Folgetag heiser gewesen sein muss, schaltete immer wieder ein Radio ein, das sein Sohn Franz, fantastisch doppelt besetzt, immer wieder ausschaltete.

Die nächste Szene: Karl erhält und liest den Brief in einer Leipziger Studentenkneipe. Gespielt von fünf Darstellern hinter einer Glasscheibe, die rechts vom Eingang, also gegenüber der großen Bühne lag. Das multiperspektivische Spiel erforderte die gesamte Aufmerksamkeit des Zuschauers.

Bemerkenswert auch, die Darstellung des Paters, der die Auslieferung Karls verlangte. Auch in den folgenden Szenen wurde das Publikum mehr und mehr mitgerissen und einbezogen. Aber auch Karl, als ungewollt gewollter Räuberhauptmann, als auch seine Räuberbande, überzeugten. Die dreigestaltige Amalia erinnerte stellenweise an japanische Groupie-Mädchen, kreischend in ihrer ungebremsten Begeisterung für Karl, „the King“. Schließlich wurde das Schloss gestürmt. Die gesamte Szenerie mündete in einem absurd-faszinierendem Finale, dass Filmregisseuren wir Rodriguez oder Tarantino alle Ehre gemacht hätte.

Eine famose Inszenierung und durchweg starkes (Schau-)Spiel der Darsteller!

Eine rundum gelungene Premiere.

Birgit Axler-Cohnitz