26. April 2012
Auf eigene Faust! - Eine Spurensuche

Auf eigene Faust! – Eine Spurensuche

Nach 5 erfolgreichen Düsseldorfer JobAct®-Projekten der Projektfabrik Witten erlebte mit "Auf eigene Faust! – Eine Spurensuche" am 24.042012 das erste "JobAct to connect"-Projekt seine Premiere.

Eine zweite Aufführung – auch das eine Premiere – folgt am 28.04.2012 im Rahmen der Museumsnacht in den Räumlichkeiten des Goethemuseums.

Wesentlicher Unterschied zu den bisherigen Produktionen: Erstmalig arbeiteten hier Teilnehmer unter 25 und Teilnehmer über 50 Jahren gemeinsam an einem Theaterstück und dessen Inszenierung. –  Die Grundidee des von Barbara Kiwitt (Projektfabrik) geleiteten Projekts, das sozialpädagogisch von Linda Behr (JBH) flankiert wird, besteht darin, über die Auseinandersetzung und Zusammenarbeit der Generation zusätzliche Synergieeffekte für eine erfolgreiche (Re-)Integration in das Berufsleben freizusetzen.

 

"Wann sind Sie das letzte Mal aus dem Rahmen gefallen?"

Besinnungsaufsätze mit Themenstellungen à la "Was hat uns Goethe heute noch zu sagen?", sind dem einen oder der andern sicherlich noch in unschöner Erinnerung aus dem Deutschunterricht. – Schultraumatisch genährte Befürchtungen, die Beschäftigung mit Goethes Lebensweg in Tateinheit mit Textanleihen aus dem "Faust" könne möglicherweise zu einer bedeutungsschwer-kopflastigen Bildungsveranstaltung geraten, erwiesen sich jedoch als völlig unbegründet.

"Auf eigene Faust" überzeugte dramaturgisch auf ganzer Länge und unterhielt im besten Sinne des Wortes: Überraschende Wendungen, witzige Wortspiele und ironische Brechungen von Stereotypen standen ganz im Dienst einer fragmentarisch-exemplarischen Spurensuche.

Auch der permanente Wechsel zwischen amüsanten und nachdenklichen Passagen,  gelungene Kontrastierungen sowie ein hervorragendes Timing trugen sicher dazu bei, dass sich das Publikum am Ende mehrheitlich fragte: "Oh, schon vorbei?"

Letztlich bestachen die Akteure jedoch über eine gelungene Bühnenpräsenz, die jede Form von "Overacting" vermied, ja mitunter professionell anmutete. So konnten beispielsweise die beiden älteren Darsteller des "aus dem Rahmen gefallenen" Dichterfürsten als auch seines Konterparts, des einfältig im breitesten Kölsch schwadronierend-philosophierenden Hausmeisters Wagner, auf ganzer Linie überzeugen.

Bildergalerie zu Fausts "Heimspiel" im Goethemuseum: Bitte Bild anklicken

 

Ebenso originell wie wichtig auch die beiden Statuen, die von zwei jungen Akteuren mit Leben erfüllt wurden.  In dem vielleicht anrührendsten Monolog, in der die Statue des Sinnsuchers leidenschaftlich beklagt, als museal unbedeutsam eingestuft, im Magazin zu verstauben, drängten sich zwangsläufig sozialpolitische Analogien auf,  die den Zuschauer mit der bitteren Perspektive gesellschaftlich ausgemusterter Menschen konfrontierten.

Deshalb von dieser Stelle: Großes Lob an Merima Horozovic für die Regie, die Mannschaft hinter den Kulissen und natürlich an die Akteure.

Nach dem Vorhang: Standing ovations seitens des Publikums. Enthusiastisch äußersten sich auch der Leiter der Beschäftigungsförderung des Jobcenters Christian Wiglow, als auch die Bürgermeisterin Frau Dr. Strack- Zimmermann in ihren anschließenden Grußworten.

Angesichts der gezeigten Kompetenzen und erkennbaren Potenziale sind alle Beteiligten optimistisch, dass auch der 2. Schritt einer (Re-)Integration in Ausbildung oder Arbeit gelingen sollte.

Oder, um abschließend Faust II zu bemühen:

"Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen."