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JBH - Chance für eine Zukunft

Jugendberufshilfe - Düsseldorf

29. August 2018
Hambi bleibt?

Am 16.08.2018 besuchten die JBH-Auszubildenden der Bereiche Gartenbau, Kreislauf- und Abfallwirtschaft sowie Lager/Logistik mit ihren Betreuern den Hambacher Forst und nahmen an einer mehrstündigen Führung durch den Waldpädagogen Michael Zobel teil, die durch den Jungenarbeitskreis der JBH organisiert wurde.

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Beim Hambacher Forst, von Umweltaktivisten liebevoll „Hambi“ genannt, handelt es sich um einen Restbestand des ehemals größten Forstes im Rheinland, der bereits zu etwa zu 90% für den Braunkohleabbau gerodet wurde. (Link zur Satelitenansicht)

1978 verkauften die umliegenden Gemeinden gegen hohe Entschädigungen ihre Anteile am Hambacher Forst an die damalige Rheinbraun AG. 2003 ging er in den Besitz des RWE über. Während der Energiekonzern die Rechtmäßigkeit der Rodungen unterstreicht und energiepolitische und wirtschaftliche Argumente ins Feld führt, hat sich seit Jahren ein buntes Widerstandsbündnis etabliert, das sich mit unterschiedlichsten Aktionen gegen die Abholzung dieses Restwalbestandes mit „hoher ökologischer Wertigkeit“ stemmt. Für mediale Aufmerksamkeit sorgen hier vor allem die Walbesetzer/Waldbewohner, die in kleineren Gruppen Baumhäuser bewohnen und sich immer wieder schlagzeilenträchtige Auseinandersetzungen mit Sicherheits- und Ordnungskräften liefern.

Im Rahmen der Führung durch die erschreckend kleine verbliebene Waldfläche ging Michael Zobel zunächst auf die ökologischen Charakteristika des Waldes mit seinen alten Beständen an Stieleichen und Hainbuchen sowie 142 geschützten Arten sowie auf die Historie des Braunkohleabbaus ein.

Danach stellte er den Kontakt zur Gruppe der Baumbewohner von „Oak City“ her, die sich den Fragen der Jugendlichen, aber auch der begleitenden Pädagogen stellten.

Auch wenn die teilvermummten Aktivisten in pittoreskem Outfit und abenteuerlichem Ambiente zunächst mal befremdlich auf die Auszubildenden wirkten, und auch die Baumbewohner angesichts der für die Folgewoche befürchteten Räumungen recht angespannt waren, brach doch schnell das Eis und es kamen recht interessante Gespräche zustande.

Der weitere Weg führte dann zur Abraumkante und gab einen ersten Blick auf das Abbaugebiet und die künstlich aufgeschüttete Sophienhöhe frei.

Einen realistischen Eindruck von den gigantischen Ausmaßen des Abbauareals - von Umweltschützern „Loch Mordor“ tituliert – konnte sich die Gruppe dann von dem RWE-Aussichtspunkt mit dem realsatirischen Namen „Terra Nova“ verschaffen.

Welches Fazit zieht der Besucher angesichts der so unterschiedlichen und nachhaltigen Eindrücke? Die mehrheitlich bekundeten Rückmeldungen zollten dem Grundgedanken des Naturschutzes Respekt, gaben auch eine gewisse Sympathie für den Widerstand der Baumbewohner gegen das „Imperium“ zu verstehen, distanzierten sich aber von anarchistischer Folklore wie Sprengstoffattrappen und Gewaltbereitschaft. - Was in jedem Fall bleibt: Nachdenklichkeit.

Mittlerweise hat dieser symbolische Widerstand aber auch ein Echo auf höchster Ebene in Berlin gefunden.

Die im Juni 2018 von der Bundesregierung eingesetzte Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung – kurz Kohlekommission – soll bis Ende des Jahres Empfehlungen für Maßnahmen zur sozialen und strukturpolitischen Entwicklung der Braunkohleregionen erarbeiten.

Entsprechend hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze den RWE-Konzern aufgefordert, während der Kommission auf die umstrittenen Rodungsarbeiten für einen Tagebau zu verzichten: „Wenn ein gesellschaftlicher Konsens organisiert werden soll, dann dürfen während einer solchen Phase keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden.“

Bleibt „Hambi“ also doch vielleicht? Wohl kaum. Auch wenn die ab 1. Oktober geplanten Rodungen politisch verhindert werden könnten, so ist nach Expertenmeinung der Restbestand des Waldes nicht zuletzt aufgrund der gigantischen Grundwasserabsenkung durch den Bergbau bereits derart geschädigt, dass er ohne aufwendige Maßnahmen nicht mehr zu retten sein dürfte.

Eine weitere Gruppe von Auszubildenden wird sich  bei einer Führung im Oktober ein Bild vom Stand der Dinge machen.