20. Mai 2019
JobAct 2019 - Woyzeck

„Leute, geht raus und schnappt euch die Jobs“ – Soweit das spontane Resümee von Regisseur Tim Stegemann nach der gelungenen JobAct-Premiere von Büchners „Woyzeck“ am 04.April 2019 in der Jugendfreizeitstätte Icklack.

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In der 12. Düsseldorfer Theaterproduktion der Projektfabrik konnte das Ensemble unter seiner Regie mit einem „klassischen“ Woyzeck überzeugen, machten doch die Bühnenpräsenz der homogen agierenden Gruppe und die musikalische Live-Untermalung durch einen professionellen Keyborder theatrale Gimmicks überflüssig.

In einer frühen Theaterkritik Alfred Kerrs heißt es: „Woyzeck ist der Mensch, auf dem alle rumtrampeln. Somit ein Behandelter, nicht ein Handelnder. Somit ein Kreisel nicht eine Peitsche. Somit ein Opfer nicht ein Täter. Dramengestalt wird sozusagen die Mitwelt – nicht Woyzeck.“

Und in diesem Sinne überzeugten die Darsteller*innen der multikulturellen Gruppe, sei es als dümmlich-blasierter Hauptmann, als viriler Nebenbuhler oder als sadistischer Pseudowissenschaftler, trugen sie als Täter doch allesamt dazu bei, die systematische psychische Vernichtung Woyzecks glaubhaft zu machen.

Besondere Erwähnung verdienen dennoch die „Verkörperung“ einer kokett-naiven Marie sowie ein Hauptdarsteller, der die gequälte Kreatur Woyzeck nicht nur spielte, sondern geradezu lebte und der in seiner selbstzerstörerischen Intensität unwillkürlich an Chester Bennington erinnerte.

Lob gab es auch von Christian Wiglow, dem Geschäftsführer des Jobcenters, der bereits bei den Proben vorbeigeschaut und mit den Akteuren ihre beruflichen Perspektiven diskutiert hatte.